Mitten im Dorf, am Thie, steht die kleine Saalkirche aus Bruchstein. Ihr Patron ist der Erzengel Michael – derselbe, der das Wirringer Wappen ziert und dem das Hildesheimer Kloster geweiht war, in dessen Urkunde Wirringen 1022 zum ersten Mal auftaucht.

Von der Kapelle zur Kirche
Bis 1667 gehörte Wirringen zur Mutterkirche in Lühnde. Wer zum Gottesdienst wollte, ging über den Missenstieg dorthin, oder ein Kaplan kam ins Dorf. Eine eigene Kapelle besaß Wirringen aber schon vor der Reformation.
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1543
Die Kapelle
Die Protokolle der Kirchenvisitation nennen die „Capellen zu Wiringen“. Wahrscheinlich gab es schon viel früher ein Gotteshaus. Später ersetzte ein Bau aus Bruchstein die Kapelle; die Steine stammen vermutlich aus den Steinbrüchen der eigenen Feldmark. In der Südwestecke ist ein Stück eines alten Grabsteins eingemauert.
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1644
Zerstört im Dreißigjährigen Krieg
Feinde zerstören die Kapelle und rauben die Glocke. Die Wirringer bauen wieder auf und gießen direkt im Dorf eine neue Glocke.
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1785
Die große Erneuerung
Unter Pastor Christian Ludolf Sattler wird die Kirche grundlegend erneuert. Im Westen entsteht ein Vorbau aus Mauerstein mit Treppenhaus zu Empore, Orgel und Glockenturm. Der Eingang wandert von der Nordwestecke an die Westseite – am Fenster mit der veränderten Laibung ist die alte Tür noch zu erkennen.
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um 1855
Die erste bekannte Orgel
Tischlermeister Daniel Schleth aus Wehmingen baut vermutlich die Orgel, gestiftet vom Hartmannhof. Ihre Pfeifen reichen bis ans Deckengewölbe.
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1921
Neue Glocken
1920 war die Glocke gesprungen. Die Firma Radler in Hildesheim gießt zwei neue Bronzeglocken, die am 9. Oktober 1921 eingeweiht werden.
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1946
Wiederherstellung nach dem Krieg
Die im Krieg beschädigte Kirche wird mit viel Einsatz der Gemeinde wiederhergestellt. Sie bekommt einen neuen Anstrich, Bibelsprüche in den Kassetten und das „Weihnachtsfenster“ der Glasmalerei Otto Brenneisen aus Hannover.
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1950
Die Turmspitze kehrt zurück
Herbststürme hatten 1948 die Turmspitze heruntergeweht. Schlossermeister Däves aus Wirringen repariert sie, am 26. Oktober 1950 setzt Dachdeckermeister Rudolph aus Oesselse sie wieder auf.
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1956
Gold für Knauf und Hahn
Das Holz der Turmspitze ist morsch. Dachdeckermeister Gronstedt aus Wätzum repariert sie, und Gemeindemitglieder spenden, damit Turmknauf und Hahn vergoldet werden. 1956/57 baut Friedrich Weißenborn aus Braunschweig eine neue Orgel.
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1974
Wärme und neue Farbe
Eine Gasheizung mit Wasserleitungen unter den Bänken ersetzt den Ölofen. Tischler Gehlich ordnet die Bänke neu, ein neuer Anstrich gibt dem Innenraum sein heutiges Aussehen.
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2001
Ein eigenes Taufbecken
Bis 1999 wurde bei Taufen die kupferne Taufe aus Wassel ausgeliehen. Das neue Taufbecken aus Eichenholz, ein Nachbau einer Steintaufe von 1770 aus Mehrum, wird im März 2001 eingeweiht. 2019 bekommt es eine neue Abdeckung aus Holz.
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2015
Der Hahn ist zurück
Kugel und Wetterhahn von 1890 werden Ende 2013 abgenommen, restauriert und neu vergoldet. Am 19. Mai 2015 hebt ein Kran sie wieder auf die Turmspitze.


Glocken und Orgel
Im Glockenturm hängen zwei Bronzeglocken, beide 1920 von der Firma Radler in Hildesheim gegossen. Auf einer davon stehen die Namen von Pastor Klose, Lehrer Flohr und den Kirchenvorstehern H. Hahne, Otto Bartels, H. Kothe und W. Timmermann. Im Zweiten Weltkrieg musste eine der Glocken 1942 abgegeben werden, um eingeschmolzen zu werden. Sie kam 1947 zurück. In den 1950er-Jahren läutete Küster August Hoppe morgens, mittags und abends.
Die alte Orgel stufte ein Orgelrevisor 1944 als „recht dürftiges Werk“ ein. Für den Neubau von 1956/57 sammelte die Gemeinde rund 2.000 D-Mark, den Rest gab die Landeskirche. 1995 wurde die Orgel von der Firma Gebrüder Hillebrand aus Altwarmbüchen überholt.
Die Turmkugel – eine Zeitkapsel
In der Kugel unter dem Wetterhahn steckt eine verlötete Kupferhülse. Bei jeder Reparatur wird sie geöffnet, gelesen und um neue Dokumente ergänzt – eine Botschaft an die nächste Generation.
1950 Die Urkunde nach dem Sturm
Pastor Peter Hoffmann legt eine Urkunde über die Reparatur der Turmspitze hinein, die der Sturm 1948 heruntergeweht hatte. Als die Hülse 1956 geöffnet wird, ist sie das einzige Dokument darin.
1956 Ein Brief an die Nachwelt
Pastor Werner Hoffheinz schreibt ausführlich über das Dorf und seine Zeit:
- Im Kirchenvorstand sitzen ein Landwirt, ein Gemeindedirektor, ein Obersteiger aus dem Kalischacht Hohenfels und ein Flüchtling aus Ostpreußen.
- Viele Familien haben nach der Vertreibung „hier eine neue Heimat gefunden“. Die Einwohnerzahl war nach dem Krieg auf 480 gestiegen und liegt nun bei 403.
- Die alte Orgel ist unbrauchbar, eine neue ist in Arbeit. Organistin ist Gerda Pagels.
- Er berichtet vom geteilten Deutschland, von den Flüchtlingen aus der „Ostzone“, die auf den Höfen Arbeit finden, und von den Bomben vom 26. November 1944.
- Dazu kommen eine Liste der Lebensmittelpreise, die Spender für die Vergoldung, die Ordnung der Feier und das „Hannoversche Sonntagsblatt“ vom 9. September 1956.
2015 Gemeindebrief und 2-Euro-Münze
Am 8. November 2014 öffnet der Kirchenvorstand die Hülse. Am 19. Mai 2015 liest Pastorin Uta Cziczkus-Büttner vor der Gemeinde den Inhalt vor. Neu hinein kommen die Umschlagseiten des aktuellen Gemeindebriefs, der Gemeindebrief vom März 2015, die Titelseite der Hildesheimer Allgemeinen Zeitung vom 8. November 2014 und eine 2-Euro-Münze aus dem Jahr 2015. Dann wird die Hülse wieder verlötet.
Die Kirchengemeinde
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1543
Kaplanei der Mutterkirche Lühnde
Weil das Kirchspiel Lühnde zu groß ist, bekommt der Pfarrer einen Kaplan zur Seite. Erster Kaplan ist Nikolaus Oporinus. Er predigte „zu Wehming und Wirring eine Woche um die ander“, heißt es in einem Visitationsbericht.
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1677
Eigene Pfarre mit Wehmingen
1667 lösen sich die Dörfer von Lühnde, 1677 wird Pastor Henning Röper direkt in Wirringen eingeführt. Fortan teilen sich Wirringen und Wehmingen einen Pastor mit Sitz in Wirringen – fast 300 Jahre lang. Das Patronat hat das Hildesheimer Sültekloster, später bis 1871 der Landesherr.
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1976
Neue Verbünde
Bolzum, Wehmingen, Müllingen und Wirringen, ab 1978 auch Wassel, werden pfarramtlich verbunden. 1988 entstehen zwei Verbünde, einer davon mit Wirringen, Müllingen und Wassel.
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1996
„Lasst die Kirche im Dorf“
Als die Pfarrstelle gestrichen werden soll, gründen Gemeindeglieder aus Wassel, Müllingen und Wirringen einen Förderverein, der die Stelle mitfinanziert. 1997 nimmt der Kirchenkreis den Beschluss zurück. Seit 2007 sichert zusätzlich die Trinitatis-Stiftung kirchliche Arbeit und Gebäude.
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2006
Trinitatis-Kirchengemeinde
Wirringen, Müllingen und Wassel schließen sich zur Ev.-luth. Trinitatis-Kirchengemeinde zusammen.
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2012
Zwölf-Apostel-Kirchengemeinde
Am 8. Januar 2012 fusionieren sechs Gemeinden mit 13 Orten zur Ev.-luth. Zwölf-Apostel-Kirchengemeinde Sarstedt-Land. Das Pfarrbüro in Wirringen wird aufgelöst, die Kirchenbücher kommen ins Pfarrarchiv nach Ingeln-Oesselse.
Zum Förderverein „Lasst die Kirche im Dorf“ →
Pastoren seit 1563
Die Liste bis 1931 folgt dem Verzeichnis „Die Pastoren der Landeskirche Hannovers und Schaumburg-Lippes seit der Reformation“ von 1942, die Ergänzungen danach stammen von Pastorin Annegret Austen.
16. Jh. Die ersten Kapläne
- 1563–1588Nikolaus Oporinus
- 1589Johannes Rüdemann
- 1590–1594Hermann Hollmann – richtete die eigene Küsterei ein
17. Jh. Krieg und eigene Pfarre
- 1601–1606Friedrich Friderici
- 1607Hermann Holtemann
- 1617–1625Joachim Bisterfeld
- 1627–1632Konrad Wedemeier
- 1632–1640nicht besetzt
- 1640–1676Johann Hahne
- 1677Henning Röper, erster direkt in Wirringen eingeführter Pastor
- 1696Leonhardt
18. Jh. Zeit der Meierhöfe
- 1700–1719Johann Christoph Noltenius
- 1721–1730Johann Karl Schmidt
- 1730–1773Johann Matthias Candeler
- 1773–1798Christian Ludolf Sattler – ließ 1785 die Kirche erneuern
- 1798–1822Friedrich Christian Weber – unter ihm entstand 1815 das neue Pfarrhaus
19. Jh. Von Hannover bis Preußen
- 1823–1837Johann Gottfried Weigel
- 1837–1851Christian Albrecht Zuberbier, 1813 Kriegsfreiwilliger
- 1852–1872Johann Friedrich Wilhelm August Lieffers
- 1873–1880Johann Heinrich Georg Ludwig Eickhoff
- 1880–1896nicht besetzt; zeitweise half Pastor Brill aus Müllingen aus
- 1896–1908Georg Theodor Adolf Meyer
20. Jh. Von Klose bis Weindel
- 1909–1931Karl Julius Wilhelm Klose – legte den neuen Friedhof an, schrieb religiöse Dichtungen
- 1931–1943nicht besetzt; 1937–1939 Aushilfe durch Propst i. R. Johannes Jacobsen
- 1943–1946Rudolf Grote
- 1947–1952Peter Hoffmann
- 1953–1973Werner Hoffheinz
- 1976–1982Wolfgang Heutjer
- 1982–1994Gerald Merseburg
- 1994–1995Heinz Kitzka
- 1995–2012Matthias Weindel
seit 2013 In der Zwölf-Apostel-Gemeinde
- 2013–2014Almuth und Christoph Wiesenfeldt
- 2014–2016Uta Cziczkus-Büttner
- ab 2015Annegret Austen, ab 2016 Dr. Yorick Schulz-Wackerbarth, ab 2017 Raphael Below (Stand 2021)
Drei Pfarrhäuser
- 1593Das erste eigene Pfarrhaus entsteht, wohl schon an der Wirringer Straße, auf der späteren Hofstelle Nr. 8. Neben der Seelsorge betrieb der Pastor eine kleine Landwirtschaft.
- 1815Unter Pastor Weber wird ein neues Fachwerkhaus mit niedrigen Zimmern und großem Dachboden gebaut. Um 1908/10 wird es verkauft und zum Gasthaus. Im November 2021 wird es abgerissen.
- 1909/10An der Vogtei-Ruthe-Straße steht ein Massivhaus, das eigentlich für den Vorstand des Kaliwerks Hohenfels gebaut worden war. Das Kaliwerk trägt 90 Prozent der Kosten, die Gemeinde erwirbt es als neues Pfarrhaus. Jahrzehntelang finden hier Konfirmandenunterricht, Jugendtreffs, Flötenunterricht und Seniorennachmittage statt. Ab 2014 steht es leer, ab 2015 wohnen dort Geflüchtete, 2017 wird es verkauft.
Kirchhof, Friedhof und Ehrendenkmal
Früher wurden die Toten auf dem Kirchhof rund um die Kirche begraben. Ein Gedenkstein von 1846 steht dort noch. Bei der Verkoppelung um 1845 wurde am Weg nach Wehmingen Platz für einen neuen Friedhof freigehalten, angelegt und eingeweiht wurde er aber erst 1908 unter Pastor Klose. Die heutige Leichenhalle neben der Kirche entstand 1983.
Auf dem Kirchhof steht auch das Ehrendenkmal. 1913 setzte man einen großen Findling auf Feldsteine, zur Erinnerung an die Wirringer, die in den Kriegen von 1813/15, 1866 und 1870/71 gekämpft hatten. Nach dem Ersten Weltkrieg kamen ein Sockel aus Feldsteinen und eine Granittafel dazu. Weil die Namen der Gefallenen des Zweiten Weltkriegs nicht mehr darauf passten, ersetzte man sie 1958 durch eine Bronzetafel. Man hatte so lange gewartet, weil man auf die Heimkehr der Vermissten hoffte. Die alte Granittafel hängt heute rechts neben der Kirchentür.
Jedes Jahr am Volkstrauertag stehen zwei Feuerwehrleute Ehrenwache, Ortsbürgermeister und Pastorin sprechen, und ein Kranz wird niedergelegt.

Die Namen auf Findling und Bronzetafel
Auf dem Findling von 1913 – 1813/15: H. Hahne, H. Cordes, E. Schleth, H. Bruns, Backhaus, H. Hänies. 1866: E. Hartmann, A. Schlüter, Chr. Timmermann, H. Goltermann, C. Cordes. Gefallen 1815: Chr. Nettelroth, Chr. Klussmann, H. Kasten, K. Borm; gefallen 1870/71: Heinrich Kohrs.
Gefallen im Ersten Weltkrieg: Henry Däves, Heinrich Vietje, Karl Hoffmann, Willi Müller, Heinrich Schaller, Fritz Rühmkorf, August Gerlach, Heinrich Lüders.
Gefallen im Zweiten Weltkrieg: Emil Drechsel, Heinrich Hahne, Kurt Schablowski, Werner Bartels, Günther Bartels, Rolf Bartels, Wolf Weber, Josef Oelkers, Gustav Böhm, Richard Wenzel, Günther Pauluhn.
Vermisst im Zweiten Weltkrieg: Heinrich Dreyer, Paulus Pagels, Helmut Mosig, Adolf Nippe, Wilhelm Nixdorf, Gustav Ahlborg, August Schaller, Walter Busche, Heinrich Bodenstedt, Paul Wenzel, Richard Hilbich, Fritz Höppner, Paul Wopienik.
An den Kriegsfolgen gestorben: Heinrich Hahne, Heinrich Richter.
Im Buch weiterlesen: Kapitel 9 und 10, S. 178–249 (PDF, 78 MB) – mit Fotos der Kirche seit 1925 und den Dokumenten aus der Turmkugel. Mehr zur Kirche auch im Kirchengemeindelexikon.



